Langes Reisen mit dem Auto, Flugzeug oder Bus bedeutet auch ein erhöhtes Thromboserisiko (Foto: Fotolia)

Oberhausen. Spätestens mit dem Anfang der Sommerferien am Montag beginnt die Urlaubssaison. Langes Reisen mit dem Auto, Flugzeug oder Bus bedeutet jedoch auch ein erhöhtes Thromboserisiko.

„Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einer Vene“, erklärt Dr. Ingo Böcker, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen. „Der Blutstrom in einem Gefäß wird so langsam, dass das Blut stockt oder ganz zum Erliegen kommt – quasi ein Stau auf der Venen-Autobahn.“ Besonders beim Fliegen oder langen Bus- bzw. Autofahrten steigt das Risiko. „Wenn man lange und beengt sitzt, klemmt das die Beinvenen ab und der Blutrückfluss wird verhindert“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin. So ist es kaum verwunderlich, dass besonders zur Sommerzeit Thrombosen am häufigsten in den Beinen auftreten – grundsätzlich ist ein Blutgerinnsel aber in allen Körperbereichen möglich.

Klassische Anzeichen für eine Thrombose sind angeschwollene Beine, eine rote oder violette Färbung und ein dumpfer, drückender Schmerz. Besonders gefährdet sind Menschen, die schon einmal von einem Blutgerinnsel betroffen waren oder an einer anderen Gefäßerkrankung leiden. „Außerdem tragen junge Raucherinnen ein hohes Thromboserisiko“, warnt Böcker. Erhöht wird die Wahrscheinlichkeit zudem durch Übergewicht und Flüssigkeitsmangel. „Risikopersonen sollten sich vor dem Urlaub über Möglichkeiten der Thromboseprophylaxe informieren“, rät der Experte. So können eine Spritze oder Kompressionsstrümpfe vorbeugend helfen. „Sogenannte Stützstrümpfe gibt es auch im Reformhaus zu kaufen“, nennt der Experte als Tipp. „Ist man jedoch vorbelastet, sollten man sich speziell verstärkte Strümpfe individuell anpassen lassen.“

Behandeln lässt sich eine Thrombose mit medikamentöser Blutverdünnung zuerst mit Spritzen, später mit Tabletten, speziellen Wickeltechniken und Kompressionsstrümpfen nach Maß, die das Gerinnsel absichern, und Schonen des betroffenen Körperbereichs. Bei Thrombose-Verdacht, sollte man daher in jedem Fall schnell medizinische Hilfe suchen. Der Chefarzt weiß: „Je länger man wartet, desto größer wächst das Blutgerinnsel und das kann gefährliche Folge haben.“ Mit jeder Thrombose entstehen kleine Narben im Gefäß, die den Blutstrom und die Venenklappen dauerhaft beeinträchtigen (sogenanntes postthrombotisches Syndrom). „Wartet man zu lange, kann ein Teil der Thrombose abreißen und mit dem Blutstrom in die Lunge transportiert werden“, erklärt Böcker. „So eine Lungenembolie kann mitunter tödlich enden.“

Damit es gar nicht erst zu einer Thrombose kommt, muss die Blutzirkulation regelmäßig angeregt werden. Da hilft schon ein kleiner Spaziergang durch den Flieger. „Man sollte sich etwa einmal pro Stunde die Beine vertreten“, nennt Böcker als Faustregel. Wer keine Möglichkeit zum Aufstehen hat, kann seine Zehen im Sitzen anziehen. Das spannt die Wadenmuskulatur an, die Venen werden automatisch zusammengedrückt und das Blut wieder nach oben transportiert.

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