(Foto: privat)
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Krefeld. Der Zufall hat sie vor einigen Wochen auf der Rheinpromenade in Uerdingen zusammengebracht:
Eine Gruppe junger Leute, die sich „Guerilla Picking“ nennt, und die Künstlerin Marion Schulz-Staufenbiel. Alle waren mit blauen Müllsäcken suchend unterwegs – die Künstlerin auf der Suche nach authentischem Fundgut aus Uerdingen, das sie für ein Kunstprojekt benötigt – die jungen Leute der Guerilla Picking Gruppe mit Müllsäcken, Handschuhen, Greifzangen und Eimern ausgestattet, fleißig mit der Aufnahme des herumliegenden Mülls beschäftigt. Nach einem kurzen Informationsaustausch beschlossen sie, sich gegenseitig zu unterstützen.

Kerstin Leverenz und Christina Lengwenings sind die Initiatorinnen der Gruppe „Guerilla Picking Uerdingen“, die seit Februar dieses Jahres existiert. „Guerilla“, das Wort assoziiert Begriffe wie Kampf und Aufstand. Es findet hier aber keine kriegerische Auseinandersetzung statt, wobei die Gruppenmitglieder schon kämpferisch tätig sind. Sie kämpfen friedlich, hoch motiviert, mit Freude und viel Spaß sowie voller Tatendrang gegen die Vermüllung der schönen Uerdinger Rheinpromenade an. Die Gruppenmitglieder sind allesamt in Krefeld bzw. Uerdingen aufgewachsen, zur Schule gegangen und begeisterte Bewohner ihrer Heimatstadt. Bei Erkundungen und auf Streifzügen quer durch die Stadt fiel ihnen auf, dass es vermehrt Ecken gibt, in denen ausgesprochen viel Müll in Grünanlagen und auf der Straße herumliegt. Ad hoc beschlossen sie, selbst aktiv zu werden. Höchste Dringlichkeit empfanden sie auf der Rheinpromenade in Uerdingen, die schön angelegte Uferpromenade, die für Singles, Paare, Gruppen und Gemeinschaften jeglichen Alters und diverser Nationalitäten gerade im Sommer eine besondere Wohlfühlatmosphäre bietet. Seit Februar trifft sich die Gruppe nun jeden Montag ab 19 Uhr dort. Zwischen 5 und 15 junge Leute kann man dann an diesem Ort aktiv den Müll beseitigen sehen. Am Ende des Abends wird jede Woche der „Trash of the Day„ gekürt, das kurioseste Fundstück wird fotografiert und auch gleich ins Netz gestellt. Schuhe diverser Größen, volle Windeln, Kondome, Schwangerschaftstests, Dachluken, Sonnenbrillen, Batterien, Steckdosen sind nur einige der Fundstücke. Hauptsächlich füllen sich die Müllsäcke aber mit Getränkebechern, Essensresten (oft schon von Maden durchsetzt), Dosen und vielen Plastik- und Glasflaschen. Den fein säuberlich nach Wertstoffen getrennten Müll platziert die Gruppe an eine bestimmte Stelle, von der die GSAK sie am nächsten Tag abholt.

Dieser hochmotivierte, ehrenamtliche Einsatz der jungen Leute hat die Künstlerin tief beeindruckt. Es gibt noch das soziale Engagement junger Leute, die für andere den Müll wegräumen in der Hoffnung, dass sie so auch erzieherisch tätig werden, das Umweltbewusstsein der Müllverursacher wecken und diese die schönen Seiten der Stadt Krefeld nicht weiter durch unachtsames Müllentledigen schänden. Selbst die Kosten für Handschuhe, Zangen, Eimer und jede Menge Müllsäcke tragen sie selbst. Leider hat ihnen die Stadt Krefeld bisher noch keine Unterstützung durch die Lieferung des Materials zukommen lassen. Vielleicht gibt es aber auch private Sponsoren oder Firmen, die dieses Engagement gerne durch Materialspenden honorieren und unterstützen.
Kontaktaufnahme unter: kerstinleverenz@gmx.de oder christina.lengwenings@gmx.de.

Die Gruppe freut sich über jeden, der sie aktiv unterstützen möchte und montags um 19 Uhr zur Rheinpromenade kommt. Informieren kann man sich über die Aktivitäten auf Facebook oder auf dem Instagram Account „guerilla_picking_uerdingen“. Ein Wunsch der Gruppe besteht darin, möglichst viele Aktive zu finden, die ihre Initiative auch in andere Stadtteile Krefelds tragen. Neben dem sinnvollen, notwendigen und sehr zu honorierenden Einsatz gibt es auch immer jede Menge Spaß in der Gruppe, Bildung von Freundschaften und Interessengemeinschaften nicht ausgeschlossen.

Für die Künstlerin und die Gruppe entstand bei der ersten Begegnung spontan eine Win-win-Aktion. Marion Schulz-Staufenbiel half den jungen Leuten beim Müllsammeln, die ihrerseits für das Kunstprojekt kuriose Fundstücke sammelte.
Fortsetzung folgt.

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