Einigkeit gegen die Auskiesung (Foto: Christian Voigt/LokalKlick)

Kamp-Lintfort/Neukirchen-Vluyn/Rheinberg/Alpen/Kreis Wesel. Auch wenn Alpen am Niederrhein liegt, wollen die Bürgerinnen und Bürger nicht, dass sich ein Baggerloch an das andere reiht und die Landschaft aussieht wie ein Schweizer Käse. Die angestrebten gesetzlichen Änderungen des Landesentwicklungsplans (LEP) um den Kiesabbau in den nächsten Jahrzehnten weiter zu betreiben und zu forcieren, wurden durch ein Gutachten des namhaften Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Martin Kment in wesentlichen Punkten des Bedarfs rechtlich widerlegt. Dieses Gutachten wurde vom Kamp-Lintforter Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt initiiert und von den Städten und Gemeinden Rheinberg, Neukirchen-Vluyn und Alpen sowie dem Kreis Wesel und den Initiativen des Niederrheinappells unterstützt.

Nun haben sich der Landrat, die Bürgermeister und die Aktivistinnen und Aktivisten der betroffenen niederrheinischen Bürgerinitiativen im Kamp-Lintforter Rathaus getroffen, um die nächsten Schritte im Kampf gegen die Auskiesung zu koordinieren. Bei der heutigen Anhörung des Landesentwicklungsplans im Landtag wird die Bürgerinitiative Dachsbruch aus Kamp-Lintfort den Ausschussvorsitzenden Georg Fortmeier 12000 gesammelte Unterschriften überreichen. Bürgermeister Landscheidt wird als Sachverständiger ebenfalls an dieser Sitzung teilnehmen und wird dem Protest in der Sitzung eine Stimme verleihen. „Ich hoffe, dass die Abgeordneten unseren Argumenten und vor allem dem Rechtsgutachten, dass wir in Auftrag gegeben haben, Gehör schenken werden und den Landesentwicklungsplan entsprechend anpassen“, so Landscheidt. Als nächsten Schritt planen die Bürgermeister und der Landrat den Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie den zuständigen Regionalverband Ruhr (RVR) mit einem Brief über die festgestellten Rechtsmängel in Kenntnis zu setzen. Man setze auf Kooperation über Parteigrenzen hinweg und nicht auf politische Konfrontation. Der Klageweg, der im Raume stünde, sei immer nur das allerletzte Mittel, verdeutlichte Landrat Dr. Ansgar Müller.

Als Gründe gegen die Ausweitung der Auskiesung benennt Bürgermeister Landscheidt u.a. für seine Stadt, dass nach der Umsetzung des LEP 8 % der Stadtfläche aus Baggerlöchern bestehe. Dieses entspräche der Größe von 420 Fußballfeldern. Neben der Umsiedlung der Bürgerinnen und Bürger bedeuten Auskiesungserweiterungen massive ökologische und strukturelle Eingriffe in die gewachsene Kulturlandschaft, deren Folgen z. B. beim Grundwasser und der fehlenden Filtratfunktion des Kieses nicht absehbar seien. Landrat Dr Müller hob hervor, das Sand und Kies endliche Rohstoffe seien. Er verweist dabei auf die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, die mit weniger Rohstoffen mehr erreichen möchte. Daher favorisiert der Landrat neue Bauverfahren und -techniken zu entwickeln und setzt auf nachwachsende Rohstoffe für das Bauwesen.

Einen einstimmigen Ratsbeschluss gegen die weitere Auskiesung auf Rheinberger Boden hat Bürgermeister Frank Tatzel in der Tasche. Er sieht die Anforderung des Raumordnungsgesetzes nicht durchgesetzt. Sein Bürgermeisterkollege aus Alpen, Thomas Ahls, hinterfragt die grundsätzliche Bedarfsdefinition. In Neukirchen-Vluyn sieht der LEP die Halde Norddeutschland als Reservefläche vor. „Wir zeigen uns solidarisch mit den Nachbarn“, erklärt Bürgermeister Harald Lenßen. Problematisch sieht er die Zunahme der Transporte durch den ohnehin belasteten Stadtteil Rayen. Besonders unterstrich Lenßen, dass es in dieser Frage kein parteipolitisches Gezänk gebe, „es gehe um die Bürgerinnen und Bürger und ihre Interessen“. Und diese machten bei der Pressekonferenz keinen Hehl daraus, dass sie nicht ihre Heimat aus rein wirtschaftlichen Interessen der Kies- und Sandindustrie aufgeben. Schon heutzutage sollen mindestens zwischen 20 und 30 Prozent der Produktion für den Export bestimmt sein.

Christian Voigt/LokalKlick

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