Verschiedene Kunststoffobjekte aus der Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums (Foto: © TH Köln, CICS, Lisa Burkart 2018)

Oberhausen. LVR-Industriemuseum untersucht den modernen Werkstoff im kulturhistorischen Kontext

Preiswerte Massenprodukte prägten und prägen die Konsumgesellschaft des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Taster und Schalter aus Kunststoff elektrifizierten die Welt, Telefone oder Radios aus Bakelit ermöglichten eine flächendeckende Kommunikation, die vorher so nicht denkbar war. Seit Juni 2017 befindet sich die 20.000 Objekte umfassende Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums als Dauerleihgabe im Peter-Behrens-Bau, dem zentralen Sammlungsdepot des LVR-Industriemuseums. Jetzt untersucht das LVR-Industriemuseum mit Partnern im Rahmen des vierjährigen interdisziplinären Förderprojektes „Kunststoff – Ein moderner Werkstoff im kulturhistorischen Kontext“ den Siegeszug der Kunststoffe vom preiswerten Ersatzstoff zu einem der wichtigsten Rohstoffe der Gegenwart anhand prägnanter Kunststofferzeugnisse aus der Sammlung.

Zu diesem Zweck kooperieren das LVR-Industriemuseum, das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Technischen Hochschule Köln und das Institut für Kunststofftechnik der Universität Stuttgart (IKT), um den Einfluss der Kunststoffe auf unsere kulturelle Entwicklung zu beleuchten. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert.

Durch den interdisziplinären Ansatz von Geistes- und Naturwissenschaften werden an ausgewählten Objekten der Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums die werkstoffliche Zusammensetzung, die Produktionstechnologie sowie der Innovationsgrad der Kunststoffobjekte im historischen Kontext bewertet und Erhaltungsmöglichkeiten diskutiert. Damit soll das Projekt nicht nur den kulturhistorischen Kontext einzelner Kunststoffobjekte erforschen, sondern zugleich auch die begrenzten Möglichkeiten bei dem Versuch der Bewahrung historischer Kunststoffkulturgüter aufzeigen. Für Objekte im musealen Umfeld, dessen Ziel nicht der schnelle Konsum sondern die möglichst dauerhafte Erhaltung ist, fehlen oft Erfahrungen zum Alterungsverhalten. So zeigen einige Materialien, wie insbesondere z.B. das Celluloid, schon starke Verfallserscheinungen. Die durch das Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur der Kunststoffsammlung im LVR-Industriemuseum zugutekommen, sondern auch anderen Museen und Institutionen bei ihrem Umgang mit Exponaten aus Kunststoff.

In der ersten Projektphase werden sich zwei Restauratorinnen der TH Köln und eine Kunstwissenschaftlerin des LVR-Industriemuseums mit der Sichtung der Objekte und Inventarisierung befassen. Ziel ist es, eine Vorauswahl von besonders für die Projektziele geeigneter Gegenstände zu treffen, die möglicherweise auch einer naturwissenschaftlichen Untersuchung beim IKT in Stuttgart unterzogen werden sollen.

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